Nach dem erfolgreichen Dinnervarieté „Tocadero“ in Dresden über Weihnachten hinaus, spielt der Circus Sarrasani endlich auch mal wieder im Zelt und dies in zwei größeren Städten. Prädestiniert für den Marktplatz, in Mitten der Innenstadt von Wiesbaden, direkt über einer Tiefgarage, ist das Chapiteau des Circus Sarrasani. Wie bei einer Zipfelmütze hängt das Zelt oben befestigt an den außenliegend zusammenlaufenden Masten. Abgesegelt wird das Chapiteau an einem äußeren Stahlring, der mit Betonklötzen beschwert ist. Somit entfällt im Inneren die Sichtbehinderung durch Masten und Sturmstangen. Die drei Reihen Logen bestehen aus edel bezogenen Holzstühlen und der Rest der Sitzeinrichtung ist ein neunreihiges Gradin mit Schalensitzen, teilweise gepolstert. Leider vermißt man ein Live-Orchester.
Nun aber zum Programm „Circussterne,“ daß von drei Damen des Sarrasani-Balletts eröffnet wird, bevor André Sarrasani aus dem Nichts in seiner Requisitenkiste erscheint. Auch eine Illusion, indem seine Konturen auf einem plexiglasartigen Sarg abgebildet werden, gibt es zu sehen. Danach geht es gleich auf das Hochseil mit den Hard Nocks. Freddy Nock und sein Partner Mica zeigen u.a. den Sprung durch den Reifen, eine Person überspringen, den Scheinabsturz und das 2-Mann-hoch.
Das Publikum gleich für sich zu begeistern fällt dem Comedyduo I Baccala mit ihrem Spiel mit dem Apfel nicht schwer. Victor Ponce hingegen jongliert mit einem Ball auf der Stirn beim Seilspringen, hält fünf Hüte in der Luft, jongliert mit fünf Keulen und läßt zehn Teller auf einem Tisch, ohne jegliche Stangen, tanzen.
Mit einem Schuß Humor agieren die fünf kleinen Hunde von Leonid Beljakov u.a. mit Hochsitzer, Pirouette, Seilspringen, Saltis, Ring und Akrobatik auf seinem Herrchen.
Gemäß ihrem Namen, Duo Flamingo, präsentieren die zwei jungen Damen aus der Ukraine, ihre Kontorsionsnummer in Anlehnung an die edlen Tiere. Passend dazu fügt sich die lustige Akrobatik von I Baccala an. Hoch in die Lüfte geht es dann mit Igor Purdenko & Olga Moreva an die Hängeperch, wo die Beiden u.a. einen Abfaller an der langen Handschlaufe zeigen.
Dagegen bleiben André Sarrasani und seine drei Assistentinnen bodenständig, mit Illusionen und Durchdringungen, auch mit Partnerinnentausch, sowie dem Gedankenlesen und dies dann mit Publikumsbeteiligung.
Den zweiten Teil nach der Pause eröffnen dann Clarrisons Seelöwen Lenny und China u.a. mit der Ballbalance, dem Flossenstand, dem Ringe fangen, dem Trompete spielen und einem Tänzchen. Noch einmal Illusionen mit André Sarrasani und einer menschlichen und einer Feuerdurchdringung. Bei der Castingshow „Das Supertalent“ entdeckte André Sarrasani den Beatboxer Robeat, alias Robert Wolf, und verpflichtete ihn gleich für mehrere Shows. Es ist schon erstaunlich, was dieser junge Mann für Töne nur mit Mundakrobatik hervorbringt, inklusive Echoeffekte.
Sehr modern choreographiert ist die Arbeit von Yuri Mamchyeh an den Strapaten u.a. mit Auf- und Abrollen und Abfaller. Treffsicherheit hingegen beweist Silvia Silvia, wenn sie den Pfeilen ihrer Armbrust nicht nur auf Ballons schießt, sondern auch auf deren Befestigungsschnüre und ein Blatt Zeitung der Längsseite (1mm dick) nach zertrennt. Ebenso schießt sie mit fünf Armbrüsten gleichzeitig ein Ballonherz kaputt und sich selbst mit sieben Armbrüsten im Dominoeffekt einen Apfel vom Kopf.
Nach soviel Anspannung lockern I Baccala erst einmal die ganze Atmosphäre auf, indem Camilla auf den Händen eines Zuschauers einen Handstand macht. Mit einem hohen Tempo laufen die Hard Nocks im und auf dem Todesrad, jonglieren dabei mit Feuerkeulen, springen Seil oder schlagen einen Salto. I Baccala amüsieren das Publikum, indem sie mit ihrer Leiter planlos durch das Gradin laufen, bevor sie damit das Trapez erklimmen und ihre lustige Nummer zeigen, bei der André Sarrasani zum Schluß Camilla retten muß.
In einem großen Käfig zaubert André Sarrasani danach zuerst nacheinander seine Assistentinnen hervor, bevor als letzter sein Tiger erscheint, mit dem er dann, an der Leine, eine Runde in der Manege dreht. Den Abschluß bilden nochmals das Ballett bei dem André Sarrasani seine Artisten namentlich vorstellt und diese wegen des langanhaltenden Applauses noch ein paar kleine Zugaben geben.